Photovoltaikanlage – lohnt das?
Hier die kurze Antwort: Es kommt darauf an. Ich persönlich nehme Abstand davon pauschal zu behaupten, dass sich eine Solaranlage (Photovoltaikanlage) lohnt – oder eben nicht. Denn zunächst sollte man definieren, was „lohnen“ bedeutet.
Betrachtet man eine Photovoltaikanlage als Investition, dann sprechen wir von „lohnen“, wenn die Amortisationszeit überschaubar ist. Was nun ist überschaubar? Das hängt vom persönlichen Anlagezeitraum ab und kann nicht genau definiert werden. Allerdings lässt sich einstimmig behaupten, dass zum Beispiel eine Amortisationszeit von 25 Jahren eher schlecht ist im Gegensatz zu vielleicht 12 Jahren.
Wie nun kann man die Amortisationszeit abschätzen?
Ob sich eine Photovoltaikanlage (PV-Anlage) mit Berücksichtigung der Amortisationszeit lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab: Himmelsausrichtung des Gebäudes bzw. des Daches, Dachneigung, Verschattung, Anschaffungskosten, Standort des Gebäudes und Nutzerverhalten.
1. Hausausrichtung und Dachneigung
Die beste Ausrichtung für eine PV-Anlage ist Süden, da hier die Sonneneinstrahlung am höchsten ist. Aber auch Anlagen, die nach Osten oder Westen ausgerichtet sind, können sich lohnen, insbesondere wenn der Stromverbrauch morgens oder abends höher ist. Somit kann der erzeugte Strom direkt zur Morgen- bzw. Abendzeit genutzt werden.
Die ideale Dachneigung liegt für Deutschland zwischen 30 und 35 Grad, da hier die Sonneneinstrahlung optimal genutzt wird. Flachdächer erfordern spezielle Aufständerungen, um den Winkel anzupassen.
Eine Verschattung der Anlage reduziert die Effizienz und verlängert die Amortisationszeit. Hier muss individuell betrachtet werden, wie hoch der Grad der Verschattung ist. Dies muss kein K.O. Kriterium sein, denn auch eine teilverschattete Anlage liefert immer noch Energie.
2. Anschaffungskosten und Förderung
Die Kosten für eine Photovoltaikanlage hängen von der Größe und den Modulen ab. Eine typische 5-kWp-Anlage kostet etwa 8.000 bis 12.000 Euro, größere Anlagen entsprechend mehr. Durch staatliche Förderungen und Einspeisevergütungen lässt sich die Investition schneller amortisieren. Wer einen Stromspeicher ergänzt, muss mit zusätzlichen 5.000 bis 10.000 Euro rechnen, spart aber mehr teuren Netzstrom. Um mehr Unabhängigkeit vom Netzstrom (und den Preisen) sowie von der tages- und wetterabhängigen Effizienz der Anlage zu erreichen, sollte definitiv über einen Speicher nachgedacht werden.
3. Standort und Sonneneinstrahlung
Der Standort spielt eine große Rolle: In südlichen Regionen Deutschlands gibt es pro Jahr mehr Sonnenstunden als im Norden. Weiterhin spielt eine eventuell geplante Bebauung der Umgebung eine große Rolle. Die Effizienz einer Solaranlage ist dahin, wenn ein neu errichtetes Gebäude in der unmittelbaren Umgebung für eine Verschattung sorgt. Und zuletzt, das…
4. Nutzerverhalten
Je mehr selbst erzeugter Strom direkt verbraucht wird, desto wirtschaftlicher ist die Anlage. Haushalte mit hohem Tagesverbrauch (z. B. durch Wärmepumpen oder E-Autos) profitieren besonders.
Fazit
Eine Photovoltaikanlage lohnt sich vor allem bei guter Dachausrichtung, hohen Eigenverbrauchsquoten und steigenden Strompreisen. Wer langfristig denkt, kann mit einer PV-Anlage drastisch Energiekosten senken und letztendlich zur Nachhaltigkeit sowie zur Unabhängigkeit beitragen.
Der Idealfall sieht also wie folgt aus: Sowohl der Standort und Ausrichtung des Gebäudes, als auch die Dachneigung sind ideal. Eine Verschattung gibt es nicht. Die Anlage wurde nicht überteuert gekauft und fachgerecht installiert. Sie haben die staatliche Förderung in Anspruch genommen. Ihr Heizsystem kann die gesamte gewonnene Energie im besten Falle sofort und vollumfänglich nutzen, oder aber durch Speicherung zeitversetzt.
Sicher, der Idealfall tritt selten ein, aber je näher man ihm kommt, desto schneller amortisiert sich eine solche Anlage.
Fallbeispiel
Beispiel 1: Ungünstige Bedingungen, hohe Kosten
Familie Müller hat eine 10-kWp-Photovoltaikanlage für 22.000 Euro installiert. Ihr Dach ist nach Nordwesten ausgerichtet und hat eine Neigung von 20 Grad. Dadurch erhält die Anlage ca. 30 % weniger Sonneneinstrahlung als eine südlich ausgerichtete. Ihr jährlicher Stromertrag liegt bei 7.500 kWh. Da sie einen niedrigen Eigenverbrauch von nur 25 % haben, speisen sie viel Strom ins Netz ein, erhalten aber nur ca. 8 Cent pro kWh (Stand Februar 2025) Einspeisevergütung. Ihre Stromkostenersparnis beträgt jährlich 1.200 Euro.
- Amortisationszeit: 22.000 € / 1.200 € ≈ 18,3 Jahre
- Nachteil: Hohe Anschaffungskosten, geringe Erträge durch ungünstige Ausrichtung, wenig Eigenverbrauch
Beispiel 2: Optimale Bedingungen, marktüblicher Preis
Familie Schmidt hat ebenfalls eine 10-kWp-Anlage, aber für 16.000 Euro erworben. Ihr Dach ist perfekt nach Süden ausgerichtet, mit einer Neigung von 30 Grad. Dadurch erzeugen sie 10.500 kWh pro Jahr. Da sie eine Wärmepumpe und ein E-Auto nutzen, liegt ihr Eigenverbrauch bei ca. 50 %, was ihre Stromkostenersparnis erhöht. Ihre jährliche Ersparnis durch Eigenverbrauch und Einspeisung beträgt 2.200 Euro.
- Amortisationszeit: 16.000 € / 2.200 € ≈ 7,3 Jahre
- Vorteil: Bessere Ausnutzung der Sonnenenergie, geringere Kosten, höherer Eigenverbrauch
Während sich die Anlage von Familie Schmidt bereits nach etwa 7 Jahren amortisiert, dauert es bei Familie Müller fast 18 Jahre, bis sich die Investition rentiert. Dies zeigt, dass eine schlechte Dachausrichtung und hohe Anschaffungskosten die Rentabilität erheblich beeinträchtigen können. Eine sorgfältige Planung ist daher entscheidend, um eine wirtschaftlich sinnvolle Photovoltaikanlage zu betreiben.
